Life is Strange: Episode 2 „Out of Time“ bei uns im Test

Von Leben und Tod

In Life is Strange: Episode 2 „Out of Time“ wird es erstmals wichtiger, seine Entscheidungen nochmal zu überdenken und wir erfahren, dass die Zeitreise Max schadet.

Life is Strange: Episode 2 „Out of Time“ bei uns im Test

Gesamtwertung:

8.1 out of 10 stars (8,1 / 10)

Wir haben Leben gerettet und sind durch die Zeit gewandert – zumindest wenige Minuten. In Life is Strange Episode 1 Chrysalis hat Max Caulfield ihre neuen Superkräfte entdeckt, mit denen sie wenige Minuten in der Zeit zurück reisen und Entscheidungen revidieren kann. Dies alles geschah, nachdem sie nach 5 Jahren aus Seattle zurück nach Ardadia Bay – der Stadt in der sie ihre Kindheit verbracht hat – gekehrt ist um jetzt ihr Studium als Fotografin an der Blackwell Academy zu beenden. Eine Schule voller Stereotypen. Außenseiter, reiche Kinder, Mädchen die sich wie alpha Tiere aufführen und überhebliche Jocks. Lauter gesellschaftliche Kreise, denen Max nie gänzlich angehören wollte.

Im Mittelpunkt stand die wieder aufkeimende Freundschaft zwischen Max und ihrer alten besten Freundin Chloe, die drohende Gefahr eines Tornados, den Max in unheilvollen Visionen sieht und das Verschwinden der Schülerin Rachel Amber, das irgendwie mit Max Visionen zusammen zu hängen scheint. Das ist der Einstieg in Life is Strange gewesen. Man konnte in Ruhe alles kennenlernen. Life is Strange: Episode 2 „Out of Time“ knüpft genau dort an, geht dabei aber schnell einen anderen Weg, ihr seht euch stets dem Tod Anderer konfrontiert.

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Arcadia Bay wirkt immer noch sehr verschlafen

Wir spielen mit der Zeit

Das klingt für eine Jugendliche wie Max alles nach viel psychischen Druck. Rachels Verschwinden, der Tornado und ihre neuen Kräfte und zu allem Überfluss ist Chloe dermaßen begeistert von Max neuen Kräften, dass diese zweite Episode uns viele Möglichkeiten bietet, mit dem Zeitreisefeature herum zu spielen. Es beginnt damit, dass wir Chloe erstmal beweisen müssen, dass Max durch die Zeit reisen kann. Während eines gemeinsamen Frühstücks in einem Diner, müssen wir unser Gedächtnis trainieren, indem wir unterschiedliche Ereignisse und Fakten aus einem bestimmten Zeitraum Chloe vorhersagen müssen. Es ist nicht sonderlich schwer, ich brauchte aber mehrere Anläufe, bis ich das richtige Event für die Musikbox heraus hatte – hier fehlten etwas englisch Kenntnisse. Genau solche Tests machen die meiste Konversation zwischen Chloe und Max aus. Was befindet sich in Chloes Hosentasche oder wie muss Max beste Freundin mit der Pistole zielen, um ein paar Flaschen abzuschießen. Wir schauen, wie ihr erster Schuss aussieht, drehen die Zeit zurück und sagen ihr, ob sie weiter nach oben oder nach Links zielen muss.

Beziehungskiste

Wir lernen Chloe in diesen Situationen besser kennen, wollen die alte freundschaftliche Beziehung wieder verstärken und erfahren so einige Details über die Lücke von fünf Jahren, in der Chloe ohne Max weiter gelebt hat. Max möchte wieder Chloes beste Freundin sein, sich aber auch nicht zwischen sie und Rachel drängen. Wir müssen entscheiden, wie weit Max geht, um ihr Bild von einer Dreier-Freundschaft zwischen Chloe, Rachel (die es zu finden gilt) und Max zu verwirklichen. Episode 2 ist der zeitliche Rahmen für den Spieler, die Charaktere besser kennen zu lernen und mehr über deren Vergangenheit zu erfahren.

Eine Chance ergibt sich, als Frank auftaucht. Neben Chloes Mutter Joyce einer der einzigen Charaktere, die ihr Debüt haben. Er ist ein seltsamer Geselle, dem Chloe Geld schuldet. Ein Drogendealer der auch in Verbindung zu Rachel steht. Es kommt zu einer kleinen Eskalation, in der ihr für Chloe einstehen müsst. Eure Entscheidung in dem Moment wird Frank noch zu einem Charakter machen, den ihr im Hinterkopf behalten solltet. Nachdem ihr Frank losgeworden seit und die Geschichte um Chloe und Rachel noch einmal mysteriöser wird, müsst ihr ein weiteres Mal Chloes Leben retten. Dies war für mich einer der spannendsten Momente in Episode 2, da der heran nahende Zug und die verzweifelte Suche danach, wie ich Chloe vor diesem retten kann, meinen Puls durchaus in die Höhe getrieben hat. Danach flachte die Spannung in dieser Episode kurzzeitig ab.

Von Leben und Tod

Der rote Faden um Chloe, Rachel, Max und der drohenden Naturkatastrophe nimmt weiter Fahrt auf, bekommt dazu noch einige Nebenstränge, wie der traurigen Geschichte um Max Schulfreundin Kate Marsch. In Episode 1 mussten wir bereits mit ansehen, wie Kate von einigen Schülern gemobbt und von Chloes Stiefvater verbal angegriffen wurde. Wir wissen nicht genau, worum es ging, aber es hatte Kate stark mitgenommen. In Episode zwei verschlimmert sich Kates Situation, da ein Video einer Vortex Club Party aufgetaucht ist, in dem sie sehr unvorteilhaft zu sehen ist. Das Video wird schnell viral verbreitet und trotz dessen, dass Kate versucht, Hilfe bei den Lehrern zu finden, stößt sie auf taube Ohren und wird aufs unmenschlichste von ihren Mitschülern gehänselt. Max scheint die einzige Person zu sein, die sich Sorgen um Kate macht – je nachdem, wie ihr euch entscheidet. Geht ihr ans Telefon und beseitigt URLs zum Video von Spiegeln? Es ist euch überlassen, wie sehr ihr Kate zu Hilfe eilt.

Die Nebenhandlung um Kate zeigt zum Ersten mal sehr gut auf, wie wichtig es ist, über die eigenen Entscheidungen nachzudenken. Während man die direkten Auswirkungen der Entscheidungen die man trifft in Episode 1 noch nicht wirklich abschätzen konnte, zeigt einem DONTNOD in Episode 2 auf erschreckende Weise, wie man das Leben anderer beeinflussen kann. Ihr Reist durch die Zeit und seht euch die Ergebnisse eurer einzelnen Dialog-Entscheidungen an und wählt die für euch richtige. Aber was eine von euch als „die richtige“ Entscheidung vom Anfang der Episode am Ende für Auswirkungen haben kann, das ist euch nicht bewusst. Und dann könnt ihr es nicht mehr rückgängig machen – außer ihr spielt nochmal von vorne. Und genau das passiert euch mit Kate.

Nachdem ihr zur Schule zurück gekehrt seit, passiert etwas aufregendes am Mädchenwohnhaus, in dem auch Max ihr Zimmer hat. Die Schüler stürmen los und finden eine Kate vor, die kurz davor ist, sich vom Dach des Gebäudes zu stürzen. Max muss den Sprung mit ansehen und versucht immer und immer wieder diesen durch das Zurückdrehen der Zeit zu verhindern. Aber der Tag hat sie dermaßen erschöpft, da sie sehr oft ihre neue Kraft gebraucht hat, dass es ihr nicht gelingt, weiter als wenige Sekunden zurück zu kommen. Also muss sie die Zeit komplett anhalten, etwas, dass mit dieser Situation neu eingeführt wird. Wir schaffen es hoch zu Kate, doch ab da ist unsere Superkraft gänzlich erschöpft und wir können uns nur noch auf eines verlassen: Die richtigen Worte zu finden, um Kate vom Sprung abzuhalten.

Zum ersten Mal wird der Spieler von der Core-Mechanik des Spiels verlassen und muss es schaffen, eine Situation nur durch die richtige Antwort, die er nicht mehr ändern kann, zu entschärfen. Die Auswahlmöglichkeiten während des Dialogs reflektieren dabei vorherige Entscheidungen und wie der Spieler sich Kate in ihrer schweren Phase gegenüber verhalten hat. Mit einem Mal ist es egal, wie langsam die Geschichte in dieser Episode voran kam, alles konzentriert sich auf diesen einen Moment: Wird Kate leben oder sterben? Die Themen Vergewaltigung, Selbstmord und Mobbing stehen hier im Mittelpunkt, werden von DONTNOD sensibel behandelt und geben der Situation eine spürbare Spannung. Es ist auf einmal nicht egal, wie wir uns entscheiden und am Ende kann nur einer die Schuld tragen, für das, was passiert ist.

Kates Leben hängt von euren Antworten ab

Kates Leben hängt von euren Antworten ab

Technisches und Umfang

Wie erwartet hat DONTNOD die Probleme mit der Lippensynchronsität nicht behoben. Für ein solch Dialog trächtiges Spiel, wirkt es etwas seltsam, wenn die Worte erst zu hören sind, wenn der Sprecher bereits seien Lippen bewegt hat. Auch die Stimmen wirken manchmal etwas seltsam, wenn ein Erwachsener Mann wie ein Teenager klingt, weil der nächste Dialog bereits begonnen hat. Hier ist Potential nach oben, um die Atmosphäre konstant zu halten.

Das größte „Problem“ von „Out of Time“ ist wohl seine Länge. Man kann bis zu zwei Stunden mit Episode 2 verbringen, je nachdem wie ausführlich man sich umsieht und versucht, wirklich alles zu entdecken. Das ist auch nicht der Punkt. Die Momente, in denen man wirklich in der Geschichte steckt, die Momente, die einen mitreißen und bewegen, die fallen zu kurz aus. Es gibt die Situation im Diner, den Schrottplatz und das Ende mit Kate. Aber der eine oder andere dürfte sich sicherlich noch etwas Zeit mit Chloe gewünscht haben. Oder hätte gerne noch mehr über Rachel heraus gefunden. Und dann ging alles auf einmal sehr schnell und man stand auf dem Dach und musste das Leben eines Mädchens retten. Die Stimmung aus der ersten Stunde war damit etwas aufgehoben, was ich schade fand. Nach dem Ende wären sicherlich etwas mehr Momente mit den Mitschülern schön gewesen. Alles in allem bringt Episode 2 „Out of Time“ den Spieler dennoch nah an die Charaktere heran und überzeugt mit den wenigen, aber emotional intensiven Momenten.

Spielspaß:
9 out of 10 stars (9,0 / 10)
Grafik:
8 out of 10 stars (8,0 / 10)
Sound:
8 out of 10 stars (8,0 / 10)
Steuerung:
6 out of 10 stars (6,0 / 10)
Handlung:
9.5 out of 10 stars (9,5 / 10)
Durchschnitt:
8.1 out of 10 stars (8,1 / 10)
Roland

Kommentar von:

Redaktionsleitung / Administrator

Ich wollte Life is Strange nochmal von Vorne spielen, nachdem Episode 2 zu Ende war. Nicht einmal, wegen des Ausgangs mit Kate, sondern weil ich andere Dinge ausprobieren wollte. Ich war dermaßen emotional berührt, machte mir ernsthaft Sorgen um die Charaktere, so dass ich alles anders machen wollte. Out of Time war kurz, aber es war intensiv und hochgradig emotional. Jetzt brauche ich erstmal einen Tee...

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